Augmented Reality

Das Buzzword ‘Augmented Reality’ (“Erweiterte Realität”) füllt die Schlagzeilen in diversen Techmagazinen immer frequentierter. Viele können mit diesem Begriff trotzdem noch nichts anfangen, deshalb möchte ich diesen zunächst einmal erklären. Wer bereits einmal einen Science Fiction-Film, wie bspw. StarWars gesehen hat, dem mag eine der folgenden Szenen bekannt vorkommen: Hologramme, welche ein Telefonat ermöglichen, bei dem man einen Gesprächs-Partner sieht, obwohl dieser physisch eigentlich gar nicht anwesend ist. Ein anderes Beispiel wären Helme für einen Piloten, welche durch eine ‘Spezial-Brille’ Informationen über ein anvisiertes Ziel anzeigen, so erscheinen auf dem Display der Brille bspw. Texte, Distanzen etc. – Das ist Augmented Reality.

Meiner Meinung nach also eine sehr spannende Thematik, welche sich auch immer mehr in den Fokus diverser Social Medias schleicht. Anhand der folgenden Beispiele möchte ich zeigen, inwiefern Augmented Reality dort bereits heute Anwendung findet und welch großartige Möglichkeiten bereits in der Entwicklungs-Pipeline stecken.

Als Vorreiter in Sachen ‘AR’ auf Social Media gilt Snapchat – und das dank einer kindlichen Spielerei, dem sogenannten ‘Hunde-Filter’. Hierbei handelt es sich um einen Filter, welcher automatisch (über die Kamera des Smartphones) Gesichter erkennt und diesen eine Hundeschnauze, sowie entsprechende Ohren hinzufügt. Auch wenn ein Großteil der Community (zu dem ich mich auch zähle), diese Funktion für einen lächerlichen Scherz hält, ist die Technik dahinter sehr spannend. In dieser Annahme (also dem mit der Technik) bestätigt wurde man durch die weiteren Funktionen und Filter, welche Snapchat in der Zeit darauf veröffentlichte. So zum Beispiel ein Filter, welcher für ein klareres Hautbild sorgte und Pickel oder Falten kaschierte. Ebenso gab es die Option, Comic-Figuren, welche von Snapchat designt und auf dem Display angezeigt wurden, auf Tischen tanzen zu lassen – sehr einfache Ideen, welche hauptsächlich Testzwecken dienten.

Allerdings wäre es langweilig gewesen, solche Spielereien nicht kommerziell und als Werbung zu nutzen. So zum Beispiel beim Erscheinen vieler neuer Kino-Filme. Die Publisher der Filme bezahlten Werbe-Budgets an Snapchat, damit diese für ein gewisses Zeitintervall einen Filter in ihre App einbauten, welcher dem gescannten Gesicht eine Art Maske – passend zum Film – hinzufügte.

Ein weiteres AR-Feature, welches Snapchat in Mitte 2017 hinzufügte, ist die ‘Snapchat-Map’. Hierbei werden alle Accounts, welche ein User in Snapchat als Freund markiert hat, auf einer Karte angezeigt. Dabei musste eine GPS-Verbindung bestehen. Somit könnte ich – als Snapchat-User – immer sehen, wo genau meine Freunde gerade sind, wer mit wem unterwegs ist oder wer gerade Urlaub macht: Eigentlich ziemlich beängstigend. Selbstverständlich war und ist es einem User erlaubt, diese Informationen nicht preiszugeben. Alles andere würde zu einer viel zu hohen Fluktuation führen.

Neue Trends und coole Ideen, auf welche die Community total abfährt, bleiben auch Facebook natürlich nicht ganz unbekannt. Facebook testet seit knapp einem Jahr bereits an reinen AR-Ads. AR-Ads? – Das Prinzip kennen wir bereits von Snapchat, richtig. Hierbei geht es um ein Feature, welches dem User erlaubt, Kleidungsstücke bereits online ‘anzuprobieren’. Ein Facebook-Nutzer, welcher also diverse Bilder von sich auf Facebook hochgeladen hat, wird in Zukunft also die Möglichkeit haben, von Facebook Bilder erstellen zu lassen, auf dem der Nutzer in einem bestimmten Kleidungsstück zu sehen ist, welches dieser jedoch nie wirklich trug.

Das ganze wird grundsätzlich so ablaufen, dass man bei einer Facebook-Werbung, welche zum Beispiel eine Brille zeigt, die ‘Try on’-Funktion klickt und dann eben genau diese Brille aufgezogen bekommt. Verschiedene Varianten des Produktes (bspw. verschiedene Farben oder Größen) soll man hiermit ebenfalls variieren können. Michael Kors ist hierbei der erste Werbepartner. Facebook möchte im Laufe der Zeit jedoch weitere, ausgewählte Partner, in das Programm mit aufnehmen. Viele Konzerne warten nur auf dieses Feature, da es ein echter ‘Conversion-Booster’ sein wird.

Der Funktionsumfang bietet für sämtliche Social Medias die Möglichkeit, ihr Werbe-System auf ein komplett neues Level zu heben. Dadurch, dass man bereits in der App sehen kann, ob ein Produkt zu einem passt oder nicht, wird die Conversion-Rate extrem erhöht. Wie in der Vergangenheit bereits so oft geschehen, bahnt sich hierbei ein Wettstreit zwischen Facebook (d.h. auch Instagram) und Snapchat an.
Warum ich die Facebook-Gruppe hierbei ganz klar vorne sehe? Für Snapchat bietet das Feature keine großartige Neuerung. Es gibt bereits derartige Werbung (und normale, unbezahlte Funktionen) in der App. Für Snapchat ist das ganze Update also nicht so schwerwiegend, wie beim größeren Konkurrenten. Mittlerweile kann man auch ganz klar behaupten, dass Mark Zuckerberg das Wettrennen um die besten ‘Stories’ für sich entscheiden konnte. Besonderes Potenzial sehe ich hierbei bei bezahlten Facebook-Ads im Mode-Bereich, sowie eben auch auf Instagram, wo selbst normale Posts diverser Marken eine AR-Funktion mit einbauen können.

Technisch gesehen bin ich vor allem darauf gespannt, was ‘danach’ kommt. Zum Beispiel, wann es möglich sein wird, eine medizinische Operation durch eine AR-Technik besser zu planen. Die Forschung in diesem Bereich wird weiter exponentiell wachsen. Dies natürlich nicht zuletzt aufgrund der großen kommerziellen Chancen, welche dahinterstehen. Ich bleibe gespannt und freue mich auf einen Wettkampf mehrerer BIG-Player, von welchem vor allem eine Gruppe gewinnen wird – und das ist die der Nutzer.